nadeschda

Schon vor der Revolution 1917 hat der russische Philosoph Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew vorausgesagt, dass dieses Jahrhundert den Zusammenbruch aller unserer Werte erleben könnte, dass die Menschen ihre Orientierung verlieren werden. Wir erleben, dass die Erde begonnen hat die Menschheit zu fressen, dass Menschen ohne Grund einander töten, unsere besten Köpfe zur Entwicklung von Vernichtungswaffen einsetzen. Es ist Zeit, dass wir eine kritische Phase in der Entwicklung erreicht haben. Man ist blind, wenn man das nicht erkennt. Alles was in den letzten 50 Jahren erlebt wurde, stellt eine Folge von Warnungen dar. Sie sollen uns zum Nachdenken anregen über den Weg, den wir eingeschlagen haben. Die Menschen müssen gezwungen werden, über unsere Existenz nachzudenken, über den Grund, warum wir auf der Erde weilen und über unser Schicksal. Wir müssen die Ehrfurcht vor dem Leben wieder erkennen, und uns bewusst sein, dass wir als Individuen einmalig sind. Diese Wendung zum Innerlichen, dieses Bedürfnis, unsere Ursprünge zu verstehen, unser Wesen, unser Schicksal, darf nicht auf Morgen verschoben werden. Es muss sofort stattfinden. (Zitat eines zeitgenössischen russischen Schriftstellers (aufgezeichnet aus „Rufe vom fremden Stern – Menschen in der Sowjetunion, NDR 1991)

Nadeschda - Hoffnung - als Experiment, das sich durch die Inspiration aus der russischen Politik, Kultur und Tradition entwickelt hat. Angetrieben wurde es durch die Ereignisse der 1990er Jahre im damals noch sozialistischen Ostblock mit seiner Auflösung des kommunistischen Regimes. Die damalige „Stütze“ begann auseinanderzufallen. Der scheinbar massive Aufbau drohte einzustürzen. Nadeschda will diese Thematik dokumentieren und weiterführen, mit der Absicht, Gedanken und Assoziationen auszulösen, zum Nachdenken anzuregen und Stellung zu beziehen. Ausgangspunkt ist das statische Gerüst, das sich sinnbildlich wie ein Gefängnis um den Körper schließt, umhüllt von einer Prunkfassade. Die Unterdrückung und Lähmung der damaligen Bevölkerung und der russisch-orthodoxen Kirche soll hier sichtbar gemacht werden. Mit der Installation der Demokratie fällt die Fassade und das Gerüst scheint sich aufzulösen - Metall und Patina. Der Befreiungsakt wird hier vollzogen und lässt etwas Neues entstehen. Zum Zeitpunkt der Arbeitsentstehung konnte die weitere Entwicklung im Ostblock nur angenommen werden. Spätere Probleme in diesen Ländern könnten natürlich ein neues Experiment entstehen lassen. 

Die Objekte sind Bestandteil einer Performance mit Teil 1 - 3 der Inszenierung.

Textilflächengestaltung und Siebdruck: Ingrid Heinz, Hannover und Anja Giesecke, Hannover. Fotos Roland Schmidt, Hannover. Fotolocation Sprengel-Fabrik, Hannover.

Already before the revolution in 1917, the Russian philosopher Nikolai Alexandrowitsch Berdjajew had predicted that this century could witness the collapse of all our values, that people would lose their focus and orientation. We witness that the earth has begun to eat up the mankind, that people kill each other without a cause, that our most competent brains develop weapons of destruction. It is time to realize that we have reached a critical phase of development. You are blind, if you don´t recognize it. Everything, we have been experiencing in the past 50 years, represents a succession of warning messages. It should encourage us to reconsider the path that we have stroke. The mankind has to be forced to think about our existence, about the reason why we linger on earth and about our destiny. We have to recognize the awe of the life and we have to be aware that we are unique as individuals. This turn to the internal, this need to understand our origins, our nature, our destiny, must not be delayed to tomorrow. It has to happen now. (Quoted by a contemporary Russian writer)

Nadeschda – hope as experiment that has developed with the inspiration of the Russian politics, culture and tradition. Fueled by the incidents of the 1990´s in the socialistic Eastern bloc and its dissolution of the communistic regime. The “strut” in that time had begun to fall apart. The seeming massive structure had threatened to collapse.

Nadeschda wants to document and carry forward that issue with the purpose of triggering thoughts and associations, and as well to make a statement. The starting point is the static framework that surrounds the body like a prison, covered by a magnificent façade. The oppression and paralysis of the population at that time and of the Russian Orthodox Church shall be made visible here. By installing democracy, the façade drops down and the framework seems to fade – metal and patina. A liberation movement happens and something new begins to arise. At the time the work began, the further development of the Eastern bloc could just be guessed. Of course, later problems in this nations can lead to new experiments. The objects are elements of a performance with production´s parts 1 to 3. Textile surface design and screen print: Ingrid Heinz, Hannover Anja Giesecke, Hannover.

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989 - Teil 1
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989 - Teil 1

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989 - Teil 2
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989 - Teil 3

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989 - Teil 1
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989 - Teil 1

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989 - Teil 2
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989 - Teil 2

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989 - Teil 3
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989 - Teil 3