nadeschda

© Christine Schätzlein, Fotomontage, 2022
© Christine Schätzlein, Fotomontage, 2022

Nadeschda - Hoffnung - ein künstlerisches Experiment, das sich 1989/90 durch die intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der russischen Politik, Kultur und Tradition entwickelt hat. Angetrieben wurde es durch die Ereignisse im damals noch sozialistischen Ostblock mit seiner langsamen Auflösung des kommunistischen Regimes. Die damalige „Stütze“ begann auseinanderzufallen. Der scheinbar massive Aufbau drohte einzustürzen. Nadeschda will diese Thematik dokumentieren und weiterführen, mit der Absicht, Gedanken und Assoziationen auszulösen, zum Nachdenken anzuregen und Stellung zu beziehen. Ausgangspunkt ist das statische Gerüst, das sich sinnbildlich wie ein Gefängnis um den Körper schließt, umhüllt von einer Prunkfassade. Die Unterdrückung und Lähmung der damaligen Bevölkerung und der russisch-orthodoxen Kirche soll hier sichtbar gemacht werden. Mit der Installation der Demokratie fällt die Fassade und das Gerüst scheint sich aufzulösen - Metall und Patina. Der Befreiungsakt wird hier vollzogen und lässt etwas Neues entstehen.

Zum Zeitpunkt der Arbeitsentstehung konnte die weitere Entwicklung im Ostblock nur angenommen werden. Spätere Probleme in diesen Ländern könnten natürlich ein neues Experiment entstehen lassen.

Die Objekte sind Bestandteil einer Performance mit Teil 1 - 3 der Inszenierung.

Textilflächengestaltung und Siebdruck: Ingrid Heinz, Hannover und Anja Giesecke, Hannover. Fotos Roland Schmidt, Hannover. Fotolocation Sprengel-Fabrik, Hannover.

Textauszug aus der Semsterarbeit 'Nadeschda' von Christine Schätzlein (1990):

Europäisches Theater - mit den jüngsten Entwicklungen in Ost und West, mit neuen Formationen in Europa - ein neugedachtes Europa - liegt es nahe, eine Interaktion in der Kunst stattfindenzulassen. Europa und vor allem die Beziehung Ost-West ist Gesprächsthema in Politik und Wirtschaft und hat zur Zeit einen hohen Diskussionswert in unseren Breitengraden. Die Kunst ist dabei nicht ganz unbeteiligt. Sie sieht, wie schon so oft, ein großes Aktionsfeld. Die Mode kann dabei nicht ausgeschlossen werden. Sie ist ein Phänomen der Zeit und reflektiert die sozialen und gesellschaftlichen Begebenheiten der verschiedenen Kulturen. An der Fachhochschule Hannover für Kunst und Design in den Bereichen Mode und Textil entstand so eine Diskussionsrunde mit Studenten und Dozenten. Das Thema "Europa neu gedacht" wurde zum Gegenstand der Semesterarbeiten. Es wurde versucht, teils auf experimentelle Art, Mode so zu entwickeln und umzusetzen, dass am Ende eine Gesamtinszenierung des gedachten Themas stattfinden konnte. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Textildesign hat der Studiengang Mode also eine interessante und aufregende Aktion gestartet... Die große Präsentation, die szenische Darstellung soll zum Kultursommer 1991 in Hannover, eingebunden in den großen Rahmen kultureller Veranstaltungen, stattfinden. Europäisches Theater - ein gemeinsam erdachtes Bild, erstellt von den Studiengängen Mode und Textil, mit dem Ziel eine große Diskussion zum Thema "Neugedachtes Europa", Beziehung Ost-West zu entfachen. Ingrid Heinz und Anja Giesecke aus der Textil- und ich aus der Modeabteilung haben uns dabei intensiv mit der östlichen Kultur sprich der russischen und der Kultur des Balkan auseinandergesetzt und so einen Ausgangspunkt für ein gemeinsames Aktionsfeld gefunden. Uns erschien es interessant, gerade die Entwicklung im Osten aufzuzeichnen, in unsere Mode umzusetzen. In der Sowjetunion zeichnet sich eine große Veränderung ab. Alte ideelle Werte, ob positiv oder negativ, drohen zu versinken, neue, für die dortigen Menschen bedeutsame Entwicklungen entstehen. Gedankenansätze, die entweder den Weg in eine bessere Zukunft oder in das völlige Chaos bedeuten könnten. Wie sie weitergesponnen werden, kann man nicht vorhersagen, nur tagtäglich in den Medien verfolgen. Die Geschehnisse im Osten regten uns zum Nachdenken an und ließen uns ein Konzept verfassen, was unseren Gedanken Ausdruck verleihen sollte.

Nadeschdahope - an artistic experiment that has developed in 1989/90 through the intensive preoccupation of Russian politics, culture and tradition. Motivated by the incidents in the socialistic Eastern bloc and its dissolution of the communistic regime. The “strut” in that time had begun to fall apart. The seeming massive structure had threatened to collapse.

Nadeschda wants to document and carry forward that issue with the purpose of triggering thoughts and associations, and as well to make a statement. The starting point is the static framework that surrounds the body like a prison, covered by a magnificent façade. The oppression and paralysis of the population at that time and of the Russian Orthodox Church shall be made visible here. By installing democracy, the façade drops down and the framework seems to fade – metal and patina. A liberation movement happens and something new begins to arise. At the time the work began, the further development of the Eastern bloc could just be guessed. Of course, later problems in this nations can lead to new experiments. The objects are elements of a performance with parts 1 to 3 of the staging. Textile surface design and screen print: Ingrid Heinz, Hannover Anja Giesecke, Hannover.

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989/90 - Teil 1
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989/90 - Teil 1

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989/90 - Teil 2
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989/90 - Teil 3

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989/90 - Teil 1
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda I, 1989/90 - Teil 1

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989/90 - Teil 2
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989/90 - Teil 2

Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989/90 - Teil 3
Kostüm, Inszenierung, Performance, Theater, Textilobjekt
Nadeschda II, 1989/90 - Teil 3

Zum Zeitpunkt der Arbeitsentstehung 1989/90 konnte die weitere Entwicklung im Ostblock nur angenommen werden. Spätere Probleme in diesen Ländern könnten natürlich ein neues Experiment entstehen lassen.

 

aktuell ergänzt:

Perestrojka und Glasnost und Nach dem Ende der Sowjetunion (bpb/10.10.2014)


Putsch gegen Gorbatschow (mdr/19.08.2021)

 

Essay - Im Kopf von Putin (Philosophie-Magazin/01.05.2014) - Politischer Konservatismus, die Betonung eines „russischen Wegs“ und eurasische Reichsfantasien bestimmen die Außenpolitik der Ära Putin. In seinem Essay aus dem Jahr des Ostukraine-Einmarschs (2014) versucht Michel Eltchaninoff das Denken des Machthabers ideengeschichtlich zu entschlüsseln.

 

„Ich bin schon alt. Ich habe unter Stalin gelebt, ich habe unter Chruschtschow gelebt, unter Breschnew, unter Andropow. Ich weiß sehr gut, was Unfreiheit ist. Und ich sehe, dass jetzt vieles wieder in diese Richtung läuft. Die Lüge der offiziellen Propaganda, die unfreie Justiz.“ (Oleg Batow, Priester einer kleinen Moskauer Kirche in der Gasetnyj Gass)

„Ich sehe, wie die Freiheit beschnitten wird, wie die Machtstrukturen davon abhängen, was Wladimir Putin über etwas denken mag und wie man darauf reagieren muss. Mir macht das Angst.“ (Priester Lapschin)

- aus Protestbewegung in der russisch-orthodoxen Kirche - Ein Brief und seine Folgen (Deutschlandfunk/08.04.2020)

 

Putins Aggression, seine wichtigste Stütze: Der Patrirach von Moskau und die Russisch-Orthodoxe Kirche. (Religions-Philosophischer Salon/23.02.2022)

 

Der Konflikt und die Kirchen (ZEIT/23.02.2022)

 

Das Erbe einer Weltmacht - Geopolitik auf den Trümmern der Sowjetunion (mdr/ARTE 2021/ARD/Sendung 23.02.2022)

 

Krieg gegen die Ukraine - Worauf sich Putins Denken und Handeln stützt (RND/26.02.2022)


 Putins Kriege

(ZDF/20.03.2022)